Objekte

Tag für Tag

Ein Tagebuch aus dem Jahr 1974 aus dem Besitz von Zdravko Spajić. Nahezu täglich hält Zdravko Spajić darin persönliche Erinnerungen und Gedanken fest. Als Schreibunterlage dient ihm ein Kalender der deutschen Firma Akzo Chemie GmbH. Das Jahr 1974 markiert auch den Beginn von Spajić Tätigkeit beim Österreichischen Gewerkschaftsbund, wo er zunächst als Dolmetscher später dann als arbeitsrechtlicher Berater in serbo-kroatischer Sprache beschäftigt wird. Auch dieses Ereignis ist im Tagebuch festgehalten.

Voller Bilder und Geschichten

2002 startete der in Wien lebende Regisseur Kenan Kılıç seine Arbeit am Dokumentarfilm Gurbet – In der Fremde, der 2008 fertiggestellt wurde und die Geschichten von neun Arbeitnehmer_innen aus der Türkei erzählt, die als erste Generation von Arbeitsmigrant_innen ab 1964 nach Österreich gekommen waren. Kılıç Film gilt als einer der ersten österreichischen Dokumentarfilme, der sich diesem lange Zeit über verdrängten Aspekt österreichischer Zeitgeschichte widmet. Die Kiste beherbergt einen Großteil der 160 Stunden Filmaufnahmen, die der Regisseur im Zuge seines mehrjährigen Filmprojekts produzierte.

Die Jugo-Liga
Die Jugo-Liga

Zu Beginn der 1970er Jahre wurden die ersten Fußballmannschaften jugoslawischer Arbeiter in Wien gegründet, die rasch zu wichtigen sozialen Treffpunkten jugoslawischer Migrant_innen avancierten. Austragungsort der ersten Wettbewerbe waren zunächst die frei verfügbaren Felder bei der Floridsdorfer Brücke, später die Fußballfelder des Praterstadions in Wien. Die Zahl jugoslawischer Fußballmannschaften stieg stetig und führte 1974 zur Gründung zweier Ligen und ihrer Fusionierung 1975 in eine gemeinsame Liga, die Jugo-Liga, mit insgesamt 26 Mannschaften. Ähnliche Entwicklungen vollzogen sich in den anderen Bundesländern. Die Spiele wurden professionell vorbereitet und seit 1976 von eigens dafür ausgebildeten Schiedsrichtern aus dem Schiedsrichterverband der jugoslawischen Arbeiter_innen in Wien begleitet. Ein Spielplan der Jugo-Liga für die Saison 1977 dokumentiert diesen Aspekt Wiener Sportgeschichte. Die von Hand zugefügten Zahlen verweisen auf den Ausgang der Spiele. Die Aussage eines Zeitzeugen, Bratoljub Cuk, bringt die Bedeutung der Sportaktivitäten auf den Punkt: „... wir haben uns um den Fußball herum organisiert".

Von der Mehrheitsgesellschaft betrachtet

„Lernen die Gastarbeiter Deutsch, wenn sie hier sind? Wie reagieren die Ausländer, wenn sie verhaftet werden? Welche Erfahrungen haben Sie mit den Gastarbeitern gemacht? Was machen die Türken in ihrer Freizeit? Wie verständigen Sie sich mit den Gastarbeitern? Wie kontrollieren Sie die Gastarbeiter?“ das sind nur einige der Fragen, die im Rahmen einer Befragung von Personen, die „besonders viel Kontakt mit Gastarbeitern haben“, gestellt wurden. Befragt wurde zwischen November 1971 und Februar 1972 in den Bundesländern Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg und Wien. Die Ergebnisse dieser Befragung wurde 1972 unter dem Titel „Gastarbeiter in Österreich. Einstellung der Bevölkerung in Gebieten mit hohem Gastarbeiteranteil“ vom Arbeitskreis für ökonomische und soziologische Studien vorgelegt. Der Arbeitskreis, der sich aus Vertretern der österreichischen Sozialpartnerschaft zusammensetzte, wurde 1971 ins Leben gerufen mit dem Ziel „wissenschaftliche Untersuchungen zur Problematik ausländischer Arbeitskräfte in Österreich zu initiieren“. Es ist eine Zeit, als die in Österreich lebenden türkischen und jugoslawischen Migrant_innen zunehmend in den Fokus von Medien, Politik aber auch von wissenschaftlichen Studien rücken. In diesem Zusammenhang entstand auch diese Studie, die auf 234 Seiten dem Titel entsprechend interessante Einblicke in die Wahrnehmungsweise bzw. Sicht von Vertreter_innen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft auf Migrant_innen eröffnet.

Die 10. Arbeitersportspiele 1989 auf Band.
"Sie sind ein Bestandteil unserer Stadt, so wie die Donau und der Stephansdom."

Eine VHS-Kassette aus dem Besitz von Zdravko Spajić dokumentiert auf 80 Minuten das zehnjährige Jubiläum der Arbeitersportspiele, die am 3. und 4. Juni 1989 in Wien stattfanden. Zu sehen sind Aufmärsche, Tanzeinlagen und Folklore, Politiker die Reden schwingen, Wettkämpfe und Konzerte, vor allem aber eine feierliche Stimmung anlässlich dieses Jubiläums. Die Arbeitersportspiele waren eine der drei wichtigsten bundesweiten Veranstaltung des in den 1970er Jahren gegründeten jugoslawischen Dachverbandes, wo sich die zahlreichen in Österreich gegründeten jugoslawischen Vereine organisierten. Die Arbeitersportspiele wurden seit 1980 jährlich organisiert und fanden jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt. Teil der Spiele waren auch die Bundestreffen der Dachverbandsleitung und die Zusammenkünfte und Unterredungen mit Vertreter_innen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, der jugoslawischen Botschaft und anderen für den Dachverband wichtigen Partner_innen. Auch beim zehnjährigen Jubiläum war zahlreiche politische Prominenz aus Österreich und Jugoslawien anwesend. Der damals amtierende Wiener Bürgermeister Helmut Zilk trug folgende Botschaft im Rapid Stadion vor: „Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mir Wien nicht vorstellen könnte, ohne unsere jugoslawischen Freunde, ohne die Mitarbeiter. Sie sind ein Bestandteil unserer Stadt, so wie die Donau und der Stephansdom.“

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