Objekte

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Transnationale Beziehungen

Das Album stammt aus dem Besitz von Latif Turan, der im Jahr 1973 nach Wien kam. Latif Turan war in diversen Firmen zuletzt bei der Firma Philips als Hilfsarbeiter bis Anfang der 1980er Jahren beschäftigt. Danach machte er sich selbständig. Latif Turan erwarb das Album Mitte der 1970er Jahre in Wien und befüllte es auf den ersten Albumseiten mit Fotos, die er aus der Türkei mitgenommen hatte: von der Familie, von Freunden und Verwandten. Nach und nach fügte er weiteren Albumseiten auch Fotos aus seinem neuen Lebensumfeld in Österreich hinzu. Bedeutende Lebensereignisse wie die eigene Hochzeit und die Geburt des ersten Kindes, aber auch das erste eigene Lokal in Österreich, Zusammenkünfte mit Freund_innen in Wien oder Urlaube in der Türkei sind darin festgehalten.

Fußballdress von Cagdasspor

Diese Dress war das Trikot der Mannschaft Cagdasspor, die in den 1980er Jahren in der Türkischen Liga in Wien spielte. Getragen wurde die Dress mit der Nummer 4 von Sah Ismail Poyraz, der im Jahre 1982  nach Wien kam. Er spielte schon in Istanbul als Amateurfußballer bei diversen Teams. Die Liga und der Cagdasspor boten ihm hier in Wien die Möglichkeit seinem Hobby nachzugehen.

Der Alptraum der Innenminister

1989 begann der in Wien lebende Philosoph, Musiker und Karikaturist Hakan Gürses für die ORF-Sendung Heimat Fremde Heimat, die im selben Jahr als zentrale Minderheitenredaktion des ORF eingereichtet wurde, als Redakteur zu arbeiten. Ab 1990 zeichnete Gürses drei Jahre lang Karikaturen, die zunächst zur Bebilderung von Beiträgen verwendet wurden. Im Laufe der Zeit entstanden daraus eigene filmische Beiträge. Der Karikaturbeitrag Der Alptraum der Innenminister wurde in der Sendung vom 23. Mai 1993 ausgestrahlt.

Tschuschi

Originalzeichnungen vom Comicstrip Tschuschi, der 1991 in der sozialistischen Wochenzeitung Salto erschienen ist. Aus dem Besitz seines Erschaffers Hakan Gürses. Tschuschi ist männlich, unbestimmten Alters, vielleicht zwischen  Mitte 20 und Mitte 30. Er ist, so erfahren die Leser_innen, „ein Ausländer zweiter Generation ...einer, dem man seine Herkunft ansieht (er ist in Österreich geboren...)“. In 23 Folgen erzählt Gürses von Tschuschis Alltag in Wien: Tschuschi auf Wohnungssuche, bei der Arbeit, gemeinsam mit seiner Liebsten, auf Besuch bei den Eltern, unter Freund_innen. Gürses macht nicht nur die offensichtlich rassistischen Parolen in Wahlkampfzeiten in seinen Karikaturen pointiert zum Thema, sondern auch jene Rassismen, die Tschuschis Alltag in Wien begleiten und die zum Großteil bis heute strukturell verankert sind: etwa im österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetz oder im Ausschluss von Migrant_innen vom Wahlrecht. Die Qualität des Comicstrip Tschuschi liegt nicht nur im Witz und der Ironie, mit denen er gesellschaftliche Verhältnisse auf den Punkt bringt, sondern auch darin, dass der Zeichner sich nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft abarbeitet, sondern auch den Alltagsrassismus in der Mitte der Gesellschaft und links davon zum Thema macht. Für eine detailliertere Info siehe Vida Bakondy: Heimatkunde mit Tschuschi, in: Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten, Nr. 95/2015, 30-31.

Ein umfassendes Netzwerk

Sechs Mappen voller Visitenkarten von Wiener, österreichischen sowie internationalen Kontakten: zu Einzelpersonen, Unternehmen oder Vertreter_innen von Institutionen. Die Sammlung von Visitenkarten stammt aus dem Besitz von Zdravko Spajić, der sie im Zuge seiner 41-jährigen Tätigkeit beim ÖGB gesammelt hat. Sie erlauben nicht nur Einblicke in ein weit verzweigtes persönliches Netzwerk, sondern markieren auch „Orte der Migration“ in Wien: Lokale und Gaststätten, Geschäfte, Dolmetscherbüros, Vereine etc.

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