Objekte

Selbstrepräsentationen

Vier Schwarzweiß-Aufnahmen von einem jungen Mann, aufgenommen in einem der Fotoautomaten auf Wiens Straßen des Jahres 1971. Die Bilder zeugen vom Vergnügen sich vor der Kamera zu inszenieren, lässig und cool mit einer Zigarette zwischen den Lippen. Es sind fotografische Dokumente, in denen sich Ausdrucksformen der Jugendbewegung der 1970er Jahre widerspiegeln. Der junge Mann auf dem Foto ist Zdravko Spajić, der zum Zeitpunkt der Aufnahme 20 Jahre alt ist und seit einem Jahr in Wien lebt und bei der Firma „Alemania“ (Semperit) im 23. Bezirk zunächst als Lagerarbeiter beschäftigt ist. Ein Jahr später wechselt Spajić ins chemische Labor der Firma, bevor er 1974 als Dolmetscher beim ÖGB zu arbeiten beginnt. Private Aufnahmen wie diese, die Migrant_innen von sich selbst machten, stehen in deutlichem Kontrast zu jenen öffentlich zirkulierenden Bildern dieser Zeit, die die sogenannten „Gastarbeiter“ meist als anonyme Gruppe ohne individuelle Note zeigen: in Gruppen zusammenstehend, bei der Arbeit, am Bau oder in der Fabrik.

Stempel

Zwei A4 Blätter aus dem Besitz des serbischen Dachverbandes versammeln mehr als 60 Stempelabdrucke von Vereinen, die seit den 1970er Jahren in Wien innerhalb der (ex-)jugoslawischen Community gegründet wurden. Sie dienten als Druckvorlage und wurden in der Jubiläumspublikation "40 Jahre serbische Vereine in Wien"  (2010, hg. v. serbischen Dachverband) veröffentlicht.

Hej Slaveni

Die auf den jugoslawischen Antifaschismus ausgerichtete Geschichtspolitik stellte einen wichtigen Bestandteil der Aktivitäten der jugoslawischen Arbeitervereine in Österreich dar. Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg bildete dabei ein zentrales Element. Dieser wurde auf dem Territorium Jugoslawiens als ein blutiger und opferreicher Volksbefreiungskrieg geführt und diente in weiterer Folge als zentrale Legitimationsquelle für die Macht der Kommunistischen Partei Jugoslawiens. Diese hatte sich von Anfang an konsequent gegen die faschistische Okkupation gestellt. In Erinnerung an den antifaschistischen Kampf bildete das Abspielen der jugoslawischen Nationalhymne „Hej Slawen“ auch einen wichtigen Bestandteil öffentlicher Veranstaltungen jugoslawischer Arbeiter_innen in Österreich. Dazu zählten etwa die Arbeitersportspiele, die seit dem Jahr 1980 jährlich stattfanden und bei denen bis zu 1000 Sportler_innen und mehrere tausend Zuschauer_innen teilnahmen. Eine Schallplatte aus dem Besitz des Dachverbandes der Serbischen Vereine in Wien dient als Tonträger der Hymne und erinnert heute noch an dieses Ritual. Die Hymne wurde vom Ensemble Doma JNA Beograd aufgenommen und von Jugoton vertrieben.

Parkordnung

Mitte der 1990er Jahre stellte der Wiener Integrationsfonds ein dreisprachiges Informationsschild (Dt./BKS/Tr.) in diversen Wiener Parks auf. Das Schild besteht aus kurzen Texten (von Goran Novakovic) und Karikaturen (Zeichner: Hakan Gürses), in denen die Parkbesucher_innen in einem paternalistischen Tonfall auf geltende Normen und Verhaltensregeln aufmerksam gemacht werden sollten. Eine zentrale Zielgruppe dieses Informationsschildes waren Migrant_innen, und hier insbesondere migrantische Jugendliche. Mittlerweile wurde die Mehrzahl der Informationsschilder in den Parks abmontiert. Am Kardinal Rauscher Platz (bei der Wasserwelt) im 15. Wiener Gemeindebezirk befand sich bis vor kurzem noch eines dieser Schilder, das nun in die Sammlung des Wien Museums Eingang finden wird. Spuren auf dem Schild zeugen davon, dass diese Informationstafeln auch kritische Reaktionen hervorriefen und nicht unkommentiert blieben. Einer der Kommentare zum Schild lautete: „Integriert mich am Arsch!“

Who is who in der jugoslawischen Community

Die Broschüre Ko je ko u Beču / Who is who in Wien wurde vom Journalisten Marko Popović in den 1990er Jahren herausgegeben. Darin werden Vereine, Institutionen, Firmen, Lokale und Aktivist_innen der jugoslawischen Community kurz vorgestellt. Marko Popović, der selbst auch in der Broschüre vorgestellt wird, kam 1973 nach Wien. Er war Redakteur der Zeitung DANAS (Heute) sowie Chefredakteur der Zeitung GLAS (Stimme) und arbeitete an der Publikation anlässlich des 10-jährigen Bestehens des 1970 gegründeten Vereins "Jedinstvo" mit. Zudem engagierte er sich für die Arbeitersportspiele.

 

 

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