Objekte

Keine Tricks!

Zeitungsvertreter_innen, die an die Wohnungstüren kamen, versuchten manchmal nicht nur mit Überredungskünsten Zeitungsabonnements an den Mann/die Frau zu bringen. Sie nutzten die Situation aus, dass Migrant_innen mit dieser Art der Werbung nicht vertaut und der deutschen Sprache noch nicht ganz mächtig waren. Migrant_innen unterschrieben daher oftmals Verträge, ohne sie tatsächlich zu verstehen, und wurden dann von den Produkten und Kosten überrascht. Marinko Culina, Mitarbeiter der Beratungsstelle des Wiener Zuwanderer-Fonds für Migrant_innen aus Jugoslawien, war oft mit dem Problem konfrontiert, dass Migrant_innen unerwünschte und teure Zeitungsabonnements wieder kündigen wollten. Er entwarf daher einen Aufkleber für Wohnungstüren, der Zeitungsverter_innen von unlauteren Praktiken abhalten sollte.

Geschichtsträchtig

„Geldbörse von Mustafa Soytarıoğlu, gekauft 1970 in Wien, verwendet bis zu seiner Rückkehr nach Adatepe/Türkei 1981; selber zugenäht, noch in Verwendung zur Aufbewahrung von Rechnungen als Erinnerung an die Wiener Zeit“, so lautet der kurze Text zu einer Geldbörse, die auf dem Cover des Ausstellungskatalogs Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration (hg. von Hakan Gürses, Cornelia Kogoj, Sylvia Mattl, 2004 Wien: Mandelbaum) zu sehen ist. Mustafa Soytarıoğlu und seine Frau Ünzile arbeiteten von 1968 bis 1981 in Österreich und wurden für die Ausstellung Gastarbajteri (2004 im Wien Museum) in Adatepe interviewt. Im Innenteil der Geldbörse befindet sich heute noch ein Post-it mit kurzer Notiz, das Grundinformationen zum Erwerb der Geldbörse festhält.

Spezialausweis

Im Jahr 1966 wurde auf Beschluss von Österreichischem Gewerkschaftsbund und Bundeswirtschaftskammer ein spezieller Ausweis für Migrant_innen eingeführt, die sogenannte Ausländer-Arbeitskarte. Auf dieser wurde der Arbeitsort und Arbeitgeber als auch die sogenannte „sanitätspolizeiliche Unbedenklichkeit“ vermerkt. Vor Erteilung der Arbeitserlaubnis durch das Arbeitsamt in Österreich mussten sich Migrant_innen ab dem Jahr 1966 einer verpflichtenden medizinischen Untersuchung unterziehen. Der Ausweis diente vornehmlich dazu, Migrant_innen einer stärkeren Kontrolle zu unterwerfen und einen vom Unternehmen unkontrollierten Arbeitsplatzwechsel zu verhindern. Bis zum Inkrafttreten des Ausländerbeschäftigungsgesetzes von 1975 mussten Migrant_innen den Ausweis immer bei sich tragen. Das Gesetz von 1975 löste die deutsche „Verordnung über ausländische Arbeitsnehmer“ von 1933 ab, die 1941 auf dem Gebiet der Republik Österreich in Kraft getreten war.

Objektproduktion

Teller von Vasilija Stegić, die 1973 aus Rijeka nach Wien kam. Von Beruf technische Zeichnerin, arbeitete Vasilija Stegić zunächst in der Textilbranche und verdiente sich nebenbei auch als Hausbesorgerin ein zusätzliches Einkommen. Den Teller schaffte sich Frau Stegić im Jahr 1974 an, als sie als Hausbesorgerin zu arbeiten begann. Eine Arbeit, die sie auch weiterführte, als sie bereits als technische Zeichnerin bei den Wiener Stadtwerke-Verkehrsbetrieben beschäftigt war. Indem Vasilija Stegić ein Foto aus der Hausbesorgerwohnung in den Teller hinein montierte und ihn datierte, übernahm sie die Deutungsmacht über das Objekt.

Beogradska Banka sponsert Dress

Fußballdress aus dem Besitz von Radiša Pajkić (auf dem Foto in der Mitte), der 1976 erstmals bei der Mannschaft des Sportklubs SK Beograd in Wien mitspielte. Radiša Pajkić kam 1969 nach Wien und lebt mittlerweile wieder in Serbien. Wie die Vorderseite des Dresses zeigt, wurde der Fußballverein von der Beogradska Banka gesponsert. Um ihre Kunden im Ausland zu erreichen, traten jugoslawische Banken häufig als Sponsoren bei verschiedenen jugoslawischen Sport- und Musikveranstaltungen in Österreich auf und verteilten in den jugoslawischen Vereinen auch diverse Werbeutensilien. Das Fußballdress wurde anlässlich einer Ausstellungseröffnung zur Geschichte des jugoslawischen Sports in Österreich, kuratiert von Slobodan Jovanović (rechts im Bild), im Kulturverein Stevan Mokranjac im zehnten Wiener Gemeindebezirk von Radiša Pajkić übergeben.

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