Objekte

Wien Richtung Beograd

Erstes Zugticket zurück nach Hause, nach einem Jahr Aufenthalt in Wien, aus dem Besitz von Jagoda Lessel (geb. Obradović). Lessel war im Sommer 1968 nach Wien gekommen. Sie hatte sich am lokalen Arbeitsamt ihrer Heimatstadt Prokuplje in Jugoslawien für eine Stelle als Krankenschwester beworben. Jugoslawische Krankenschwestern waren zur damaligen Zeit in Österreich gefragt und wurden auch im Rahmen von Anwerbeaufträgen einzelner Spitäler einzeln oder in größeren Gruppen angeworben. Im Juli 1968 begann Jagoda Lessel zunächst in der Hautabteilung des Allgemeinen Krankenhaus in Wien (AKH) zu arbeiten. Später wechselte sie in die Kinderabteilung.

Sticker

Ein Sticker erinnert an die 4. Arbeitersportspiele jugoslawischer Arbeiter_innen in Österreich. Austragungsort der vierten Spiele war Salzburg.

Mobile Küche

Campinggaskocher aus dem Besitz von Enver Soner, den er zwischen 1983 und 1985 regelmäßig verwendete, als er in Wien in Pensionen und Hotels übernachtete. Da er zu dieser Zeit wenig Geld hatte, kaufte er sich diese Campingkocher, mit dem er in seinen temporären Unterkünften heimlich kleinere Speisen und Tee kochte. 1986 ließ sich Soner dauerhaft in Wien nieder und arbeitete zunächst in einem Restaurant. In den späten 1980er Jahren machte er sich als gelernter Fleischhauer selbstständig. Die Verwendung des Campingkochers war Soner durch seine frühere Arbeit als Kleinspeditionsunternehmer in der Türkei vertraut.

Hörbrief

Musikkassette aus dem privaten Archiv von Ali Gedik. Ursprünglich ein Tonträger für Musik von Ahmet Özhan, finden sich heute darauf Hörbriefe aus dem Jahr 1983, die Ali Gedik aus Vorarlberg an seine Familie in der Türkei schickte. Nachzuhören ist unter anderem ein Bericht über seine Hochzeit und die „Brautentführung“. Das Medium Kassette wurde seit den späten 1970er Jahren für mehr als ein Jahrzehnt von ihm, seiner Familie und Freund_innen als transnationales Kommunikationsmedium genützt. Sie ersetzte teilweise die Kommunikation über Briefe, erst in den späten 1980er Jahre kam das Telefon. Aufgrund der verschärften politischen Verfolgung von Kurd_innen nach dem Militärputsch in der Türkei im Jahr 1980 wagte es Ali Gedik für ein paar Jahre nicht, auf Besuch nach Hause zu fahren. Bis zur Installierung eines Telefons in seinem Heimatdorf Ende der 1980er Jahre, blieb das Medium Kassette daher die einzige Möglichkeit, die Stimmen der in der Türkei verbliebenen Familienmitglieder und Freund_innen zu hören.

Foto Rito

Foto Rito, so nannte sich das Unternehmen des Fotografen Jovan Ritopečki (1923-1989) in Wien. Ritopečki war 1966 nach Wien gekommen und begann zunächst bei der Bildagentur Votava zu arbeiten, bevor er sich Anfang der 1970er Jahre selbstständig machte. Er fotografierte in der Folge für den ORF, die Industriellenvereinigung, die Niederösterreichische Handelskammer, aber auch für Medien, deren Zielgruppe die jugoslawische Community in Österreich war, wie Danas oder Naš List. In Wien errang er insbesondere innerhalb der jugoslawischen Community Bekanntheit, indem er sämtliche wichtige Sport- und Kulturereignisse oder sonstige Treffen mit seiner Kamera festhielt. Legendär sind seine S-W-Aufnahme aus den 1980er Jahren. Doch schon vor seiner Migration nach Österreich war er als anerkannter und erfolgreicher Fotojournalist in Jugoslawien tätig, unter anderem für die staatliche Nachrichtenagentur Tanjug und die Zeitung Politika.

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