Karedeniz: Türkischer Tee aus Österreich

Türkischer Tee stellt ein Nationalgetränk von Menschen aus der Türkei dar. Die im 23. Wiener Gemeindebezirk beheimatete Großhandelsfirma ORIENT spezialisierte sich auf den Vertrieb von türkischem Tee mit dem Titel „Karedeniz“ in Österreich. Damit reagierte sie auf eine offensichtliche Nachfrage und Marktlücke: mit großem Erfolg. Denn der in Sri Lanka produzierte Tee wird nicht nur von in Österreich lebenden Migrant_innen aus der Türkei konsumiert und geschätzt, sondern auch von ihren Verwandten in der Türkei. Statt Schokolade wünschen sich viele diesen Tee, der in der Türkei nicht erhältlich ist und servieren ihn stolz ihren Gästen. Karadeniz, türkischer Tee aus Österreich erzählt verschiedene Facetten der Migrationsgeschichte, wie etwa die Entwicklung migrantischer Ökonomien in Österreich. Viele in der Türkei übliche Nahrungsmittel, wie Schafskäse, Melanzani oder türkischer Tee waren für Migrant_innen aus der Türkei in Österreich zu Beginn nicht erhältlich. Besuche in der Heimat wurden auch dazu genützt, Lebensmittel einzukaufen und nach Österreich mitzunehmen. Erst ab den 1970er Jahren kam es in Österreich zur Gründung von Lebensmittelgeschäften, die sich ihrem Warenangebot auf Migrant_innen als Kunden spezialisierten und in der Regel von diesen betrieben wurden. Der Tee erzählt aber auch exemplarisch davon, wie die Geschichte der Arbeitsmigration aus der Türkei nach Österreich ebenso die Konsumkultur im Herkunftsland beeinflusst hat. Und schließlich steckt in der Ware selbst Migrationsgeschichte, weist der Tee doch von der Herstellung bis zum Vertrieb einen transnationalen Charakter auf.