Von der Mehrheitsgesellschaft betrachtet

„Lernen die Gastarbeiter Deutsch, wenn sie hier sind? Wie reagieren die Ausländer, wenn sie verhaftet werden? Welche Erfahrungen haben Sie mit den Gastarbeitern gemacht? Was machen die Türken in ihrer Freizeit? Wie verständigen Sie sich mit den Gastarbeitern? Wie kontrollieren Sie die Gastarbeiter?“ das sind nur einige der Fragen, die im Rahmen einer Befragung von Personen, die „besonders viel Kontakt mit Gastarbeitern haben“, gestellt wurden. Befragt wurde zwischen November 1971 und Februar 1972 in den Bundesländern Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg und Wien. Die Ergebnisse dieser Befragung wurde 1972 unter dem Titel „Gastarbeiter in Österreich. Einstellung der Bevölkerung in Gebieten mit hohem Gastarbeiteranteil“ vom Arbeitskreis für ökonomische und soziologische Studien vorgelegt. Der Arbeitskreis, der sich aus Vertretern der österreichischen Sozialpartnerschaft zusammensetzte, wurde 1971 ins Leben gerufen mit dem Ziel „wissenschaftliche Untersuchungen zur Problematik ausländischer Arbeitskräfte in Österreich zu initiieren“. Es ist eine Zeit, als die in Österreich lebenden türkischen und jugoslawischen Migrant_innen zunehmend in den Fokus von Medien, Politik aber auch von wissenschaftlichen Studien rücken. In diesem Zusammenhang entstand auch diese Studie, die auf 234 Seiten dem Titel entsprechend interessante Einblicke in die Wahrnehmungsweise bzw. Sicht von Vertreter_innen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft auf Migrant_innen eröffnet.