Selbstrepräsentationen

Vier Schwarzweiß-Aufnahmen von einem jungen Mann, aufgenommen in einem der Fotoautomaten auf Wiens Straßen des Jahres 1971. Die Bilder zeugen vom Vergnügen sich vor der Kamera zu inszenieren, lässig und cool mit einer Zigarette zwischen den Lippen. Es sind fotografische Dokumente, in denen sich Ausdrucksformen der Jugendbewegung der 1970er Jahre widerspiegeln. Der junge Mann auf dem Foto ist Zdravko Spajić, der zum Zeitpunkt der Aufnahme 20 Jahre alt ist und seit einem Jahr in Wien lebt und bei der Firma „Alemania“ (Semperit) im 23. Bezirk zunächst als Lagerarbeiter beschäftigt ist. Ein Jahr später wechselt Spajić ins chemische Labor der Firma, bevor er 1974 als Dolmetscher beim ÖGB zu arbeiten beginnt. Private Aufnahmen wie diese, die Migrant_innen von sich selbst machten, stehen in deutlichem Kontrast zu jenen öffentlich zirkulierenden Bildern dieser Zeit, die die sogenannten „Gastarbeiter“ meist als anonyme Gruppe ohne individuelle Note zeigen: in Gruppen zusammenstehend, bei der Arbeit, am Bau oder in der Fabrik.