Bilder von der Arbeit

Drei Männer stehen in entspannter Pose am Gehsteigrand. An ihrer Kleidung sowie dem Schutt und den Werkzeugen im Hintergrund ist ersichtlich, dass es sich um Bauarbeiter auf einer Baustelle handeln muss. Der Mann mit Hut und Zigarette zwischen den Lippen ist der Jugoslawe Petar Mijatović, der zum damaligen Zeitpunkt bei der Baufirma Terrag Asdag beschäftigt war. Vielleicht handelt es sich bei den beiden anderen um zwei jener 50 bis 100 Landsleute aus der Gegend um Brčko, die über Petar Mijatovićs Vermittlung bei der Firma Beschäftigung gefunden hatten. Trotz der Spuren, die die Zeit auf dem Bild hinterlassen hat, bietet sein Bildinhalt einen erfrischenden Kontrast zu den zeitgenössisch zirkulierenden Bildern von Migranten am Bau, die in vielen öffentlichen Bildarchiven zu finden sind. Das liegt an der eingenommenen Pose und Mimik der Abgebildeten und ihrer offensichtlichen Teilhabe an der Bestimmung des Bildinhaltes, die jeden einzelnen in seiner Individualität ablichtet. Demgegenüber tendiert die zeitgenössische Pressefotografie dazu, Migrant_innen in ihrer Funktion für die Mehrheitsgesellschaft ins Bild zu rücken: als Arbeitende, die gebraucht werden; als Repräsentanten einer gesellschaftlichen Gruppe und eines Berufstandes. Der gesellschaftliche Platz, der Arbeitsmigrant_innen aus Jugoslawien und der Türkei innerhalb der Mehrheitsgesellschaft zugewiesen wurde, vollzieht sich demnach auch auf der visuellen Ebene. Demgegenüber wurde bei der Mehrzahl der Fotos aus den Privatbeständen von Migrant_innen die Arbeit für das Foto niedergelegt. Die Aufnahmen dienten einer anderen Funktion: jener der persönlichen Erinnerung. Heute sind diese Fotos häufig eines der wenigen oder das einzige verbliebene Erinnerungsstück, das von einem Arbeitsplatz geblieben ist. Beliebte Bildmotive sind Einzelporträts oder Gruppenfotos vom Arbeitsplatz, (Firmen-)Feiern und geselliges Beisammensein.