Arbeiter_innen aller Länder, vereinigt Euch!

Der gelernte Maschinenschlosser Slobodan Jovanović war im September 1972 nach Wien gekommen und hatte rasch Arbeit als Metallarbeiter bei der Firma Karl Domforth im 12. Wiener Gemeindebezirk gefunden. Gleichzeitig wurde er auch Gewerkschaftsmitglied. Die Mitgliedschaft jugoslawischer Migrant_innen in der Gewerkschaft war von der österreichischen wie der jugoslawischen Gewerkschaftsorganisation erwünscht, da so die Kooperation bei deren Vertretung erleichtert wurde. Anfang der 1970er Jahre wurde erstmals eine Stelle für Dolmetsch- bzw. Übersetzungsleistungen für Serbokroatisch beim Österreichischen Gewerkschaftsbund in Wien eingerichtet. Obwohl die Gewerkschaft migrantische Vereine sowie Kultur- und Sportveranstaltungen mit finanziellen Mitteln intensiv unterstützte, war das Verhältnis zu Migration und Migrant_innen von jeher widersprüchlich. Zum einen wurde die restriktive Ausländergesetzgebung von der österreichischen Gewerkschaftsbewegung befürwortet bzw. forciert und Migration lange Zeit lediglich als temporäres Phänomen betrachtet. Zum anderen waren/sind die gewerkschaftlichen Organisationsstrukturen selbst durch Diskriminierung von Migrant_innen gekennzeichnet. So war bis 1992 die österreichische Staatsbürger_innenschaft Voraussetzung für eine Anstellung beim ÖGB, und bei Betriebsratswahlen wurde Migrant_innen aus Drittstaaten bis 2006 das passive Wahlrecht vorenthalten. Hinsichtlich des gewerkschaftlichen Organisationsgrades von Migrant_innen in Österreich gibt es kaum zuverlässige Daten, da der ÖGB die Staatsangehörigkeit seiner Mitglieder grundsätzlich nicht erfasst. Slobodan Jovanović blieb lediglich für ein paar Monate Mitglied in der Gewerkschaft, wie seine Mitgliedskarte zeigt.